Kunst & Kultur

Die archäologischen Funde von den ersten Einwohnern Maltas von ca. 7000 bis 3000 v. Chr. implizieren eine hoch entwickelte Kultur, bei der das Kunsthandwerk einen hohen Stellenwert hatte. Die Funde dieser Zeit sind gut erhalten und ein Traum für Archäologen. Die grössten Bauwerke der magalithischen Zeit sind die Tempel von Hager Qim und Tarxien und ausserdem das Hypogäum. Zahlreiche Steinfigurinen wurden in diesen Tempeln gefunden. Sie stellen vorwiegend eine Muttergottheit dar, die „Magna Mater“, berühmt ist ihre Darstellung von der Hagar Qim. Desweiteren fand man auch Vasen, Statuetten, Tongefässe, Steinwerkzeuge, fein gearbeiteter Schmuck, Reliefs mit Tierdarstellungen und ganz besonderes Interesse erregten die Steinaltäre von Tarxien mit ihren aussergewöhnlichen Spiralmustern.

Vorgeschichtliche Tempel

Die megalithischen Tempel zählen zu den ältesten
grosssteinarchitektonischen Meisterwerken weltweit. Zu den
interessantesten dieser insgesamt 15 Tempeln zählen die von Hager Qim,
Tarxien und Mnajdra auf Malta und Ggantija auf der Insel Gozo.
Die Tempelanlagen sind ineinander verwinkelt angeordnet und sind immer
als Gruppen vorzufinden. Sie sind zu keiner besonderen Himmelsrichtung
ausgerichtet und stehen frei in der Natur. Bei der ältesten Anlage um
6000 v. Chr. handelt es sich um grosse ovalen Bauwerke. Später wandelt
sich der Grundriss zu einem Kleeblatt, dann zu einem doppelt ovalen
Bau. Eine äussere Mauer, die immer in der Form eines Hufeisens
angelegt ist, umfasst die gesamte Anlage. Diese ist entweder aus
Steinplatten errichtet oder aus Füllgestein erbaut. Die Altäre
befinden sich immer gegenüber des Eingangsbereiches oder in den
seitlichen Apsiden. Sie sind kunstvoll bearbeitet mit Reliefs mit
Formen von Ranken, Tieren oder Spiralen. Manchmal sind die Altäre auch
nur mit herausgehauenen oder gebohrten Punkten als Schmuck bearbeitet.
Zahlreiche Löcher sind in den Boden gehauen. Sie dienten wohl
verschiedenen Zwecken, beispielsweise wurden dort Opfertiere
angebunden. Manche Löcher reichen bis ins Erdreich, wo das Blut der
Opfertiere, sog. Trankopfer, der Erde direkt übergeben wurde.
Die Kulturdenkmäler von Malta werden heute von anerkannten Experten als
eigenständig und einmalig angesehen.

Schleifspuren „cart ruts“

Auf ganz Malta findet man im herausragenden Felsen tiefe
parallellaufende Rillen, die wahrscheinlich auf die Bronzezeit
zurückgehen (1800 bis 1000 v. Chr.) Sie verlaufen konisch und sind am
Anfang bis zu einem halben Meter breit, weisen teilweise eine Tiefe von
75 cm auf mit einem Abstand von 1,20cm bis zu 1,30cm.Oft liegen ganze
Rillenpaare nahe nebeneinander, gehen ineinander über, überschneiden
sich und bilden eine Art von Abstellgleisen.
Man nimmt zwar an, dass sie zum Transport dienten, aber bis heute weiss
man nicht wie, da sich in den Rillen weder Räder noch Kufen fortbewegen
können.

Das Hypogäum

In Hal Saflieni bei Paola befindet sich ein Bauwerk von besonderer
Einzigartigkeit. Eine sakrale komplexe Tempelanlage wurde unterirdisch
in den Felsen gehauen mit Höhlen, Gängen, Kammern und Wegen. Sie
erstreckt sich über drei Stockwerke, die in ihrer gesamten Anlage an
die älteren Tempel erinnert. Der Eingangsbereich liegt im obersten
Stockwerk. Das zweite Stockwerk weist einige Kammern auf, deren Decken
teilweise bemalt sind, und einen grossen Saal. Die dritte und unterste
Etage, der ca. 12m unter der Erde liegt, ist über eine Treppe
zugänglich. Hier befinden sich ausgehobene Gruben, die sich dicht
aneinander reihen und Nischen.

Phönizische Ausgrabungen

In phönizischen Gräbern fand man neben Grabbeigaben wie Gefässen,
Amuletten und Vasen auch griechische und phönizische Inschriften. Sie
trugen im Wesentlichen zur Entschlüsselung des phönizischen Alphabets
bei.
Ansonsten sind aus dieser Zeit, die ca. auf 3000 v Chr. geschätzt
wird, keine grossen Baudenkmäler erhalten geblieben.

Römische Kunst und christliche Katakomben

Die römischen Kunstschätze, die auf Malta ausgegraben wurden, stammen
aus dem 1.Jh.v.Chr. bis 4.Jh.n.Chr. Besonders gut erhalten sind die
wunderschönen Mosaiken in Rabat in der „Römischen Villa“, Skulpturen
sowie Relikte von Bädern und Häusern. Die Relikte ähneln jenen, die aus
dieser Zeit in Italien gefunden wurden.

Zu denen aus früher christlicher Zeit erhaltenen Denkmälern zählen die
Katakomben von Rabat. Besonders schön bildhauerisch gestaltete
Sarkophage sind hier zu finden, teilweise gleichen sie in ihrem
klassischen Stil griechischen Sarkophagen. Ein ganz besonderes Detail
ist hier zu finden, es schein als wurden Tische aus dem Felsen
herausgemeisselt für das Totenmahl.

Malerei

Die Kirchen und Kapellen Maltas sind vorwiegend mit Gemälden von den
Malern ausgestattet worden, die über einen längeren Zeitraum auf Malta
lebten. Darunter gab es viele bedeutende Maler ihrer Zeit. Im 16.Jh.
und 17.Jh. waren es hauptsächlich italienische Maler wie Michelangelo
Caravaggio (1573-1610), Mattia Preti (1613-1699) und natürlich Filippo
Paladini (1544-1614).
In der Johannes-Kathedrale von Valletta ist ein herausragendes
Meisterwerk von Caravaggio zu sehen: “die Enthauptung Johannes des
Täufers“.
Preti wiederum bereicherte die Kathedrale von Valletta mit einem
imposantem Deckengemälde, in dem Szenen aus dem Leben Johannes des
Täufers dargestellt sind. Da er ganze 39 Jahre auf Malta lebte hängen
in fast allen grossen Kirchen herrliche Gemälde von Preti.
Paladini ist bekannt für sein Werk „Madonna mit Kind und Heiligen“ im
Erzbischofspalast und für sein beeindruckendes Gemälde „Schiffbruch des
heiligen Paulus“, das in der St.Paulskirche in Valletta hängt.
Weitere Maler prägten Malta mit ihrem Schaffen. So der französische
Landschafts- und Genremaler Antoine de Favray (1706-1792), der ganze 48
Jahre, bis zu seinem Tode, auf Malta lebte.
Später bekamen auch maltesische Maler besondere Anerkennung wie der
Klassizist Guiseppe Grech (1757-1789) und Giorgio Bonavia sowie
Guiseppe Cali (1846-1930) mit seinen Porträts, Stilleben, Landschafts-
und Altargemälden.
Der Skulpturist Antonio Sciortino (1883-1947) erlangte als Malteser
Weltruhm. Einige seiner bekanntesten Werke sind auf Malta zu
besichtigen: das“ Mahnmal des Sieges von 1565“, „König Christus“ und
„Les Gavroches“

 

Musik und Dichtkunst

Wenn man der maltesischen Volksmusik lauscht kann man den Einfluss und
die musikalische Hinterlassenschaft sämtlicher Völker heraushören, die
Malta besetzt und schliesslich auch geprägt haben. Ein Phänomen, das
nicht selten auf Inseln anzutreffen ist.
So erkennt man Balkanlieder, spanische Melodien, sizilianische
Tarantellas, die maurisch-arabische Note in den Balladen,
arabisch-orientalische Rhythmen und Harmonien.
Die Volksmusik wird instrumentalisch, meist ohne Gesang, gespielt.
Weiterer Popularität erfreut sich die Chormusik. Es gibt bekannte Chöre
auf Malta: die Malta Choral Society und der St.Julian’s Chor.
Die maltesische Sprache bekam erst durch Pietro Caxaro für die
Literatur eine Bedeutung, vorher wurden andere Sprachen verwendet.
Caxaro schrieb 1533 das erste Gedicht in maltesischer Sprache.
Besonders heute greifen die Malteser traditionsbewusst auf ihre Sprache
zurück, um sich künstlerisch auszudrücken. Francis Ebejer ist in der
zeitgenössischen Literatur berühmt.

Theater und Oper

Die Spielsaison der Opern und Theater ist von Oktober bis Mai,
vorwiegend wird das Manoel Theatre bespielt. Aufgeführt werden
Theaterstücke, beliebter sind Komödien als Dramen und Konzerte.

Handwerk und Kunsthandwerk

Das Kunsthandwerk kann auf eine lange geschichtliche Tradition
zurückgreifen auf den Inseln. So wurde seit dem 16.Jh feinste Spitze
produziert, berühmt ist vor allem die Klöppelspitze, die auf Gozo
hergestellt wird. Seit dem 18.Jh. wurde diese besondere Spitze nach
ganz Europa exportiert, sie war vor allem sehr begehrt in den reichen
Fürstenhöfen.
Noch heute gelten die feingearbeiteten Kunstwerke aus Klöppelspitze wie
Spitzendecken, Tischdecken, Tücher, Schals etc. zu den gefragten
Mitbringseln.

Weiteres handwerkliches Augenmerk hatte auch die Herstellung von
Baumwollwaren und Leinen sowie das Weben und das Baumwollspinnen. Diese
Handfertigkeit geht ebenfalls auf das 18.Jh. zurück, da genoss Malta
neben Irland den Ruf die weltbeste Baumwolle und Leinen herzustellen.
Exportiert wurde ebenfalls europaweit. Merkwürdigerweise wurde die
Baumwollproduktion aufgrund mangelnder Bepflanzung im 19.Jh. komplett
eingestellt. In letzter zeit haben sich die Malteser jedoch wieder auf
dieses Kunsthandwerk besonnen.
Auf dem Platz vom St.John’s Square in Valletta wird die gesamte
Spannweite des maltesischen Kunsthandwerk präsentiert und zum Verkauf
angeboten. So erhält man als Tourist leicht eine Übersicht über die
gesamte Auswahl zum Schmökern oder um gleich Souvenirs zu erwerben.
Andere Kunsthandwerke sind ebenfalls sehr verbreitet, so zum Beispiel
Gold- und Silberschmuck, filigran bemalte Töpfer- und Keramikwaren,
schöne Fächer, Produkte aus Schmiedeeisen und Messing (besonders
beliebt sind Türklopfer in Form von Tier- und Fabelwesen), kunstvoll
geflochtene Taschen und Strohhüte, Glasgegenstände, Puppen und
Kupfergefässe.
Besonders begehrt unter Tabakliebhabern sind die handgedrehten Zigarren
und der Pfeifentabak. Das Heidekraut wächst aufgrund der hohen Lagen im
Westen der Insel zu besonders guter Qualität heran und dient als
Rohstoff zur Herstellung von Pfeifen.
Es gibt zwei Dörfer auf den Inseln, auf Malta ist es das Ta’Qali Crafts
Centre bei Rabat, auf Gozo das Ta’Dbiegi Crafts Village bei San
Lawrenz, die sich ganz dem Kunsthandwerk gewidmet haben. Dort kann man
die Fertigstellung der zahlreichen Kunstgegenstände verfolgen und
schliesslich erwerben.

Gärten

Es gibt zahlreiche schön angelegte Parkanlagen auf Malta, die zu einer
Erholung einladen. Der Buskett Garden mit seinen Orangen- und
Zitronenbäumen und Palmenhainen ist wohl der grösste Garten, er liegt
im Süden vom Verdala Palace. Für Botanikliebhaber ist der San Anton
Garden zu empfehlen bei Attard, hier wachsen seltene Sträucher und
Bäume wie der Drachenbaum.
Von den Gärten bei Valletta der Upper Barracca und Lower Barracca hat
man eine wundervolle Aussicht auf den grossen Hafen.